Pressestimmen
Brrrauner Burrrsche
Michaela Schuster und Markus Schlemmer
in der Oper


Die Mezzosopranistin Michaela Schuster gestaltete einen Liederabend in der Oper Frankfurt.
Im attraktiven Lieder-Reigen der Frankfurter Oper präsentierte sich diesmal eine tiefe Frauenstimme. Michaela Schuster wird zwar als Mezzosopran angekündigt und umfasst auch die dramatisch leuchtende Höhe, die man für eine Kundry, Marie («Wozzeck») oder Eboli («Don Carlo») braucht. Die dunkle und vielfältig warme Färbung der Stimme führt allerdings auch bruchlos in die Alt-Regionen der Richard Strauss’schen Herodias, während ihr verführerisches Timbre selbst die Venus und Carmen ermöglichen.

Die Sängerin erreicht diese Vielfalt durch ihre stets vom Text her denkende Gestaltung. Nie gefährdet ist der perfekte Sitz der Stimme, geschmeidig verbinden sich ihre Register, der Ausdruck vermittelt übers Singen hinaus Stimmungswerte wie Melancholie, Freude oder Nachdenklichkeit – was das Lied für Opernsänger ja so attraktiv macht. Altitalienisches, Mozart und Mendelssohn standen zunächst im Zeichen der schön und geschmackvoll geformten Melodie. Die «Zigeunerlieder» von (dem hier einmal humorvollen) Brahms sorgten – gemeinsam mit dem anregenden und zuverlässig führenden Pianisten Markus Schlemmer – für einen kontrollierten Temperamentsausbruch.

Nach der Pause öffnete der gut besuchte Abend den Blick auf verschiedene nationale Stile des frühen 20. Jahrhunderts: Drei symbolhaft von Träumen erzählende «Mélodies» von Henri Duparc und kokett mit spanischen Floskeln spielende «Canciones clasicas» von Fernando Obradors flankierten fünf Lieder von Richard Strauss. In deren Konversationston, dem scheinbar nebensächlich Erzählenden, mit dem der Komponist Betuliches und doch Existenzielles kunstvoll übereinander bringt, ist Michaela Schuster besonders gut zu Hause. Sie kann auftrumpfen, aber auch sich und ihre Stimme bis fast ins Unhörbare hinter das Kunstwerk zurücknehmen. Und alles wirkt so einfach und natürlich – ein wunderbarer Liederabend!
Gerhard Schroth
  
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