Pressestimmen
Ein Edelstein

Hildesheim. Ein besonderer Edelstein: das „Trio Rubin“ mit dem israelischen Cellisten Ithay Khen, dem israelischen, in Litauen geborenen Bratscher Ilan Schneider und dem Berliner Pianisten Markus Schlemmer. Dass sie drei Edelsteine am Interpretenhimmel sind, das erlebten etliche Zuhörer, die zum Benefiz-Konzert auf Einladung und zugunsten der Jüdischen Gemeinde Hildesheim in den Konzertsaal der Musikschule kamen. Mit diesem Programmpunkt aus dem 6. Kulturprogramm des Zentralrats der Juden in Deutschland aus der Rubrik „Klassische Musik“ kam besondere, keinesfalls nur heitere Vielfalt zum Spiel.

Seltene Besetzung
Zwar trat das Trio, gemeinsam nur einmal auf, was daran liegt, dass die Literatur für diese seltene Besetzung sehr rar gesät ist. Also bevorzugte man unterschiedliche Duo-Besetzungen. Doch ihrem Trio-Namen wurden die Künstler auch so gerecht, denn ihr Spiel besitzt diamantglänzende Durchsichtigkeit. Die Brahms-Sonate e-Moll (op. 38) für Violoncello und Klavier, bewundernswert überlegt und klar gestaltet, konnte hier neben Joachim Stutschwskys „Chassidischer Suite“ für Violoncello und Klavier stehen. Steckten die Sätze dieser Suite voller Frohsinn, den Khen und Schlemmer mit Spielwitz und heller Spielfreude unterstrichen, so sind Zigmund Schuls „Chassidische Tänze“ (op. 15), komponiert für Viola und Violoncello, ein Abbild des Grauens, wie Khen dem Publikum erläuterte: Schul hatte diese „Tänze“ im Ghetto Theresienstadt komponiert, wo er 1944 umkam, genau wie einige von Khens Verwandten, die nach Theresienstadt deportiert worden waren. Diese Todes-Tänze stecken voller tiefer, schmerzlicher Risse, die Schneider und Khen auf ihre Instrumente übertragen. Hier bleibt ein dunkler Eindruck des Grauens haften. Ein Werk wider das Vergessen.

Frohegemute Weisen
Nach diesem Tänzen nahmen es Khen und Schlemmer wie darauf Schneider wiederum mit frohgemuten Weisen auf. Khen erntete Bravo-Rufe mit dem „Hummelflug“ von Nikolai Rimsky-Korsakoff, und Schneider uns sein versierter Begleiter erspielten sich mit Henryk Wieniawskis ebenfalls virtuosen „Variations Of An Original Theme“ lautstarken Zuspruch. Mit Johannes Brahms´ Trio a-Moll für Klavier, Klarinette (oder Viola) und Violoncello (op. 14) konnten die drei Künstler dann endlich gemeinsam ihre Fähigkeiten ausbreiten: Schneider, der 1. Solobratschist des Orchestre Philharmonique du Luxembourg und Mitglied des „Quatuor Louvigny“ ist und der über einen besonders klaren und zugleich satten Ton verfügt; Schlemmer, der als einfühlsamer Begleiter wie als Kammermusiker überzeugt und der als Pianist ebenso gefragt ist wie als Dozent; und natürlich Khen, dem Bernard Greenhouse vom legendären „Beaux Arts Trio“ attestierte, dass er zur Weltspitze der Cellisten zähle. Dem ist nichts hinzuzufügen außer der Zugabe: der dritte Satz aus dem Brahms-Trio a-Moll.
(Birgit Jürgens, Hildesheimer Allgemeine Zeitung)
  
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