Pressestimmen
Weihnachten einmal anders
Klavierabend – Markus Schlemmer musizierte in der Stiftskirche Dettingen. Das Christfest in der Klaviermusik, dargeboten von einem großen Künstler.

Markus Schlemmer traut sich. Und macht, was viele Pianisten niemals tun würden: Er fängt mit Mozart an. Er kann es sich leisten. Die Variationen über „Ah, vous dirai-je, maman“ spielt er sicher und beschwingt. Mit charmanten Läufen. Immer in Bewegung. Mal feingliedrig kantabel. Mal mit stämmigem marcato, vor allem in der linken Hand.

Mit diesen Weihnachtsmann-Variationen hat er seinen ungewöhnlichen und ungewöhnlich reizvollen Klavierabend in der Dettinger Stiftskirche wie mit einem Motto begonnen, denn es sollte um Weihnachten in der Klaviermusik gehen. Was dann im ersten Teil des Abends folgte, waren kleinere Stücke auf einem bunten pianistischen Gabentisch. Von Fanny Hensel erklang – brillant und klangvoll gespielt – „Vom Himmel hoch“. Mit Edvard Grieg ließ Markus Schlemmer klangmalerisch die Glocken läuten. Mit Tschaikowsky entführte er seine Hörer auf einen festlichen Ball. Locker und farbig und mit filigranen Repetitionen tanzten bei ihm Debussys Schneeflocken. Aber was tut ein so hochvirtuoses Stück wie Liszts „Wasserspiele der Villa d’Este“ in diesem weihnachtlichen Rund? Der Komponist verweist hier in einer Fußnote auf das Johannes-Evangelium, wo vom Wasser der Wahrheit und der Gnade die Rede ist. Wahr ist, dass Markus Schlemmer dieses rauschende, terzengespickte Stück mit seinem heftigen Diskant-Geklingel begnadet virtuos musiziert hat. Aufschäumend und wundervoll klar.

Energie und Spannung

Große Pianistik präsentierte Markus Schlemmer im zweiten Teil. César Francks „Prélude, Choral et Fugue“ gibt er mit Energie und Spannung, mit Klangfülle und mächtig ausholender Dynamik wieder. Dabei stets deutlich. Kontrolliert. Technisch geradezu grandios, weil auch immer der hymnische Grundimpuls da war. Messiaens weihnachtliche Betrachtung aus den „Zwanzig Blicken auf das Jesuskind“ sprengt bei Schlemmer fast den Kirchenraum, so inspiriert, so klangbegeistert und so aufrüttelnd musiziert er dieses Stück in seiner Härte und seiner Zartheit, als sollte diese dröhnende und jauchzende und verzückte Musik das Weltall durchtönen.

Und wie vorhin bei Liszt stellt sich jetzt bei Chopin die Frage: Was hat das wilde h-Moll-Scherzo opus 20 mit der Geburt Christi zu schaffen? Die Antwort gibt der Mittelteil, in dem Chopin ein polnisches Weihnachtslied zitiert. Markus Schlemmer singt es schlicht und innig inmitten der furiosen Außenteile, wo seine hochkarätige Virtuosität kein Tempolimit zu kennen scheint.

Ein von Thema und Ausführung her besonderer Klavierabend also, zu dem der Veranstaltungsring Metzingen nach Dettingen geladen hatte. Es muss ja zur Weihnachtszeit nicht ständig gesungen werden.
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